Galerie
Bauhaus Museum Dessau
Unser Beitrag zum Wettbewerb Bauhaus Museum Dessau – verbunden mit dem Vorschlag, das Museum nach Bürgermeister Fritz Hesse zu benennen, denn er hatte den Mut, den aus Weimar vertriebenen Bauhäuslern eine neue Heimat zu geben. Hervorgegangen aus "Arts and Crafts", den Reformbewegungen und dem Werkbund entstand hier in nur fünf Jahren die Ikone des "international style". Reduktion auf das Wesentliche, Form- und Materialqualität, zukunftweisende Bautechniken waren Merkmale, die auch dem neuen Museum zu eigen sein müssen. Nachhaltigkeit kommt hinzu.
Gestalt in Stadtraum und Park:
Bedeutend an diesem Standort sind zunächst der Stadtpark als „Centralpark“ und später die Ausstellungen. Das Bauhausmuseum selbst soll deshalb so zurückhaltend, einfach und klar wie möglich zugleich Stadtreparatur und Wiedereinfassung des Parks bewirken, ohne die historischen Gebäudefluchten der westlichen Kavaliersstraße aufzunehmen. Die vorhandene junge Lindenreihe bildet eine weiche Kante von der Ostseite (Rathausseite) her. Durch diese Anordnung wird der Kavalierstraße ihr Boulevardcharakter zurückgegeben und die Sichtachse auf die alte Post bleibt erhalten. Der Park wird von dem neuen Gebäude nicht „erschlagen“, sondern erhält mit dem Kubus eine „Landmarke“. Zusammen mit dieser baulichen Ergänzung wird er in eine Ruhezone vor der alten Akzisemauer und die vorhandene Spielzone in der Parkmitte aufgegliedert. Beide Bereiche werden mit einer leichten Hängebrücke, die über den „Graben“ zum Tiefgeschoss führt, verbunden. Nahezu der gesamte Baumbestand des Parks kann erhalten werden. Bis zur Eröffnung der ersten Ausstellung könnte das leere Gebäude von den Bürgern als „Parkpalais“ genutzt werden, vielleicht unter anderem als Sommerarchitekturwerkstatt zum Hannes Meyer Jubiläum am 1. April 2018 ?
Bauwerk:
Das neue Bauwerk besteht im Wesentlichen aus nur vier Materialien: Stahlbeton (für den unterirdischen Teil), Holz, Stahl und Glas. Der überirdische, nach überlieferten Proportionen bestimmte Baukörper besteht in seinen tragenden Elementen (Wände, Decken und Stützen) aus massivem Holz, das mit unvergleichlichen das Klima regulierenden, bauphysikalisch einfachen Konstruktionsmerkmalen (weil monolithisch) ausgestattet ist. Wände, Decken und Stützen aus Massivholz besitzen darüber hinaus ausgesprochen gute brandschutztechnische Eigenschaften (F 250).
Der monolithische Kubus aus Holz mit großen Sprossenglasfeldern wird gleichmäßig umlaufend mit Corten Lamellen ( - denkbar wäre auch ein Junkers Grau mit Hinweis auf die enge Beziehung zwischen Junkers und dem Bauhaus-) gegen Witterung und UV geschützt und ermöglicht tags die Blickbeziehung von innen nach außen und nachts umgekehrt.
Die Geschosse sind im Wesentlichen grundrissfrei gestaltet. Die Mittelerschließung bewirkt eine klare Orientierung und effektive Fluchtwege, die durch die zusätzlichen drei Ausgänge im EG und die beiden Terrassen im OG ergänzt werden. Das OG wird von einer freitragenden Decke überspannt. Damit wird eine völlig flexible Nutzung des gesamten "Saals" im OG möglich. Eingeschossige leichte Halbrundanbauten nehmen dem Kubus die Strenge. Gegenüber der Post wird der Verwaltungstrakt als eingeschobener Anbau mit umlaufendem Säulengang errichtet. Damit bleibt auch hier der Blick aus dem Park auf das historische Postgebäude frei. Im Tiefgeschoss könnten nach entsprechender archäologischer Befundanalyse historische Ruinenreste integriert werden. Deshalb ist hier eine entsprechende Flächenreserve vorgesehen und in die Kosten ein für Neubauten hoher Anteil von Unvorhergesehenem eingestellt. Nach Fertigstellung dieses Bauteils kann das Hauptgebäude infolge seiner innovativen Bauart und hohem Vorfertigungsgrad in relativ kurzer Zeit fertiggestellt werden. (ca. 6 Monate).
Haustechnik:
Es soll einfache, aber effektive Technik (Lowtech) zum Einsatz kommen: Geothermie und Wärmepumpe nutzen den vorhandenen, nie versiegenden Grundwasserstrom mittels Doppel-U-Sonden für sommerliche Kühlung und winterliche Heizung über Heiz- und Kühldecken. Durch Ausbildung des Hauptdaches als Solarpaneel kann der hierfür benötigte Strombedarf nahezu vollständig erzeugt werden. Ein mit Gas betriebenes BHKW ergänzt den Restbedarf für Licht und Lüftungstechnik sowie Warmwasser. Überschüssiger Strom wird in das städtische Netz eingespeist. Eine feuchte- und CO2- gesteuerte Be- und Entlüftungsanlage mit WRG sorgt für eine gleichmäßige Luftqualität. Rauchmeldetechnik verhindert jeglichen Ausbruch von Bränden und erübrigt somit die Sprinkleranlage. Die so beschriebene Lowtech-Anlage bewirkt extrem niedrige Betriebskosten (viel wichtiger als die Baukosten) bei ebenfalls mäßigem Wartungsaufwand.
Erschließung:
Der fußläufige Haupteingang liegt genau gegenüber der Rathausgasse, der Nebeneingang (Gruppeneingang) gegenüber der Hauptpost. Im Gegensatz zur Ausschreibung sind wir der Auffassung, dass die PKW-Zufahrt über ein Tiefgeschoss erfolgen muss, in dem auch die Technikzentrale und die LKW-Halle / Anlieferung untergebracht sind, um den Park nicht zu beeinträchtigen. Die Behindertenparkplätze können in bestehenden und noch zu ertüchtigenden Parkbuchten rechts und links des Einfahrtsbereiches bei der "Friedrichstraße" untergebracht werden. Der zum Tiefgeschoss führende Fahrweg ist weitestgehend vorhanden. Die notwendige Abfahrtsrampe wird durch einen schön angelegten und bepflanzten Graben gebildet, der von einer Fuß- und Radwegbrücke überspannt wird. Diese Anordnung zoniert den nördlichen Teil des Parks wie oben beschrieben.
Kosten:
Baukosten der Kostengruppe 300 und 400
12,5 Millionen €